Nutzhanf

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Nutzhanf in Frankreich

Als Nutzhanf werden alle Arten des Hanf (Cannabis) bezeichnet, die für die kommerzielle Nutzung angebaut werden. Nutzhanf wird vor allem zur Gewinnung von Hanffasern angebaut, weitere Produkte des Hanfanbaus sind Hanfschäben, Hanfsamen sowie das daraus gewonnene Hanföl und Hanfblüten und -blätter zur Herstellung von ätherischem Hanföl.[1]

Insgesamt stehen 14 von der EU zertifizierte, THC-arme Sorten für den Hanfanbau zur Verfügung. Sie besitzen im Gegensatz zu nicht wirtschaftlich genutzten Sorten einen sehr hohen Faseranteil von 30-40 %. Im Gegensatz zu den als Rauschhanf bezeichneten Sorten haben sie zudem nur einen sehr geringen Anteil von weniger als 0,2 % Tetrahydrocannabinol (THC) und sind entsprechend zur Erzeugung von Haschisch ungeeignet.[2] Das wichtigste Cannabinoid im Nutzhanf ist dagegen das nicht psychogene Cannabidiol (CBD) mit einem Anteil von 1 bis 5 %.

Inhaltsverzeichnis

Verwendung

Hanffasern sind der Rohstoff für sehr widerstandsfähige Textilien.
Verschiedene Produkte aus Nutzhanf. Von links nach rechts: Stoff aus Hanf, Hanfschalen, Hanffasern, Hanfwolle

Das Anwendungsspektrum des Nutzhanfs ist sehr breit und reicht von der Nutzung der Hanffasern als Rohstoff für die Textilindustrie über die Verwendung von Hanföl und Hanfsamen bei der Ernährung bis zur Nutzung als Drogen- und Medizinalpflanze. Heute finden Hanffasern zudem zunehmend Verwendung als Faseranteil in Naturfaserverstärkten Kunststoffen und anderen modernen Anwendungsbereichen.

Fasern und Schäben

Siehe Hauptartikel Hanffaser und Schäbe

Von der Antike bis tief ins 20. Jahrhundert war Hanf ein anerkannter und unentbehrlicher Rohstoff zur Herstellung einer Vielzahl von Gegenständen:

  • Kleidung
  • Taue und Takelagen
  • Segel
  • Papier: Bis etwa in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Bücher und Dokumentenpapier überwiegend aus Hanfpapier hergestellt. Dieses Papier hatte anders als das später aufgekommene Papier aus Holz den Vorteil, dass es annähernd unbegrenzt haltbar war. Viele Werke aus dem 17. Jahrhundert beispielsweise sind in wesentlich besserem Erhaltungszustand als solche mit aus Holz hergestelltem Papier aus dem späteren 19. Jahrhundert.

Außerdem werden Dämmstoffe aus Hanffasern gewonnen. Die bei der Fasergewinnung anfallenden Schäben werden unter anderem als Tiereinstreu verwendet. Mischt man Hanfschäben mit Zement oder Kalk, entstehen Ziegel mit ähnlichen Eigenschaften wie Gasbeton. Ebenso lassen sich die Pflanzenteile verleimen und pressen. Dann entstehen daraus Bretter. Diese Bretter sind eine Alternative zu Massivholz.[3]

Samen

Samen die noch auf einer getrockneten Hanfpflanze hängen

Als Hanfsamen, auch als Hanfnüsse bezeichnet, werden die Achänen des Hanf bezeichnet. Hanfsamen werden ohne weitere Verarbeitung als Lebensmittel eingesetzt, dienen aber auch als Grundlage zur Extraktion des Hanföls und als hochwertiges Tierfutter vor allem für Vögel aber auch für Fische und Säugetiere. In den letzten Jahren fanden aus Hanfsamen gepresstes Hanföl sowie die Samen selbst als Nahrungsmittel wieder zunehmende Verbreitung. Aus den Samen kann auch ein Hanfmehl produziert werden [4]. Heute werden die Samen sowohl geröstet wie ungeröstet verkauft. Sie dienen darüber hinaus zur Gewinnung von Hanföl für die Nutzung in der Lebensmittelbranche bis hin zur Verwendung in der Kosmetikindustrie, die Pressreste sind als hochwertiges Futtermittel in der Viehzucht verwertbar.

Der Gebrauch von Hanfsamen als Heil- und Lebensmittel ist alt. Bereits im Griechenland und Rom der Antike wurden Hanfsamen (neben Öl und Wurzeln) gegen Ohrenschmerzen und zur Beruhigung der Eingeweide angewandt, im China im 14. Jahrhundert gegen Menstruationsbeschwerden, Verstopfung, Ruhr und Vergiftungen sowie äußerlich bei Lepra, offenen Wunden und Geschwüren, aber auch Haarausfall.

Die Samen sind Nussfrüchte. Sie sind 3 bis 4 Millimeter groß , von brauner bis grüngrauer Farbe und weisen ein Tausendkorngewicht von 15 bis 20 Gramm auf. Sie enthalten 28 bis 35% Fett, 30 bis 35% Kohlenhydrate, 20 bis 24% Proteine und -neben Vitamin E, Kalzium, Magnesium, Kalium und Eisen besonders hohe Anteile an Vitamin B, speziell Vitamin B1 und Vitamin B2. Die Proteine bestehen hauptsächlich aus dem Globulin Edestin, welches sehr leicht verdaulich ist. Die Samen enthalten darüber hinaus alle acht für den menschlichen Körper essentiellen Aminosäuren, als Proteinquelle sind Hanfsamen damit für den Menschen hervorragend geeignet. Hanfsamen haben keine berauschende Wirkung.

Hanföl und Ätherisches Hanföl

Siehe Hauptartikel Hanföl und Ätherisches Hanföl

Für die Produktion von Hanföl können die Samen sowohl ungeschält als auch geschält genutzt werden. Die dünne Schale enthält Chlorophyll, so dass das Öl eine grüne Farbe aufweist. Außerdem sind Bitterstoffe und Ballaststoffe enthalten. Öl aus geschälten Hanfsamen enthält weniger Farb- und Bitterstoffe und ist geschmacklich entsprechend nussiger. Im Handel werden sowohl ungeschälte als auch geschälte Samen als Hanfnüsse angeboten. Pressreste sind als hochwertiges Futtermittel in der Viehzucht verwertbar.

Inhaltsstoffe

Siehe Hauptartikel Rauschhanf

Die getrockneten und zerkleinerten harzhaltigen Pflanzenteile THC-reicher Hanfsorten können geraucht werden und finden in der Medizin ihre Anwendung. Das Harz wird auch als Haschisch oder Haschischöl verarbeitet. Auch Nutzhanfsorten enthalten Cannabinoide, die für die medizinische Verwendung eingesetzt werden können, als Drogenpflanze ist er jedoch nicht geeignet.

Geschichte

Theodor von Hörmann: „Hanfeinlegen“, um 1890

Bereits die spanischen Conquistadoren hielten im 16. Jahrhundert die spanischstämmigen Siedler im heutigen Mexiko, im heutigen Texas und im heutigen Kalifornien dazu an, Nutzhanf anzubauen. Auch die englischen Kolonisten weiter nördlich folgten später diesem Beispiel. Im 17. Jahrhundert hatte der Hanfanbau in heutigen US-Staaten wie Virginia eine so überragende Bedeutung für die Erschließung des Kontinents, dass der Anbau ausdrücklich vorgeschrieben war. In anderen heutigen US-Staaten waren ähnliche Vorschriften üblich.

Im Dezember 1985 erschien das Buch „The Emperor wears no clothes“ von Jack Herer, das 1993 auch in deutscher Sprache erschien. Der Titel der von Herer und Mathias Bröckers erstellten deutschen Übersetzung ist „Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf“. Schnell wurde es das Standardwerk für Hanfaktivisten und Nutzhanfbauern, zeigt Herer doch wie vielseitig Hanf Verwendung findet. Neben der Veröffentlichung seines Hanf-Buches trug Matthias Bröckers seit 1993 als geschäftsführender Gesellschafter des ersten Spezialgroßhandels Europas für Hanfprodukte (HanfHaus GmbH) dazu bei, ökologische, nachhaltige und gesunde Produkte aus Hanf wieder verfügbar zu machen.

In den Jahren nach 1985 kam es zu einem regelrechten Hanf-Boom, der nicht nur dem Rauschhanf, sondern auch den Anwendungen der Nutzpflanze immensen Vortrieb einbrachte. Im Zuge dieser Hanfwelle entstanden in aller Welt Strukturen, die sich für eine Normalisierung der gesetzlichen Lage oder schlicht eine vollständige Legalisierung einsetzten. In Deutschland entstand z. B. 1992 der H.A.N.F., der zu diesem Zweck unter anderem das Hanf-Museum Berlin betreibt.

Der Nutzhanf, der heute von Bauern angebaut wird, wurde speziell so zurückgezüchtet, dass er einen sehr geringen THC-Gehalt hat. Wenn man Nutzhanf gezielt zurückzüchtete, würde der THC-Gehalt mit jeder Generation bis zur ursprünglichen Konzentration ansteigen. Daher steht der Nutzhanf unter strengen Kontrollen. Das größte europäische Anbaugebiet ist das französische Département Aube in der Champagne.

Vereinigte Staaten

In den Vereinigten Staaten kam es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem erneuten Boom des Hanfanbaus, als über die Zweite Mittelpassage Tausende afroamerikanischer Sklaven aus dem Oberen und Unteren Süden ins Landesinnere und in den Tiefen Süden zwangsdeportiert wurden. Hanfanbau war äußerst arbeitsintensiv und für die Pflanzer ohne den Einsatz von Sklaven nicht rentabel. Zentren des Hanfanbaus waren Kentucky, Missouri und Tennessee. Nach der Abschaffung der Sklaverei (1865) erlebte der Hanfanbau einen Niedergang. In den 1937 kamen zwar Maschinen auf den Markt, die die Handarbeit bei der Verarbeitung (Strippen) überflüssig machten. Gleichzeitig wurde der Anbau der Pflanze, unter der Propaganda von Herrn Harry J. Anslinger jedoch landesweit verboten, und außer in der Kriegswirtschaft des Zweiten Weltkrieges hat sie in den USA seitdem keine Rolle mehr gespielt.[5]

Rechtslage

Das weltweit wachsende Engagement und der damit wachsende politische Druck führten dazu, dass man sich auch auf europäischer Ebene mit Hanfanbau beschäftigte. 1989 verfügte die europäische Kommission in der Verordnung Nr. 1164/89, dass der Anbau von Hanf, einer der in der Anlage benannten 25 Sorten, von den Mitgliedsstaaten legalisiert werden muss. Die genannten Sorten sind so genannter „Faserhanf“ mit einem Wirkstoffgehalt von unter 0,3 Prozent.

Mit Wirkung zum 16. April 1996 wurde das seit 1982 im Betäubungsmittelgesetz bestehende pauschale Hanfanbauverbot in Deutschland für den Nutzhanf aufgehoben. Der Anbau ist jedoch nach wie vor genehmigungspflichtig und wird in der Regel nur hauptgewerblichen Landwirten unter strengen Bedingungen gewährt. Diese Kontrolle soll vermeiden, dass unter dem Deckmantel des Nutzhanfs THC-reiche Sorten zur illegalen Drogengewinnung angebaut werden, da eine Unterscheidung der verschiedenen Unterarten optisch kaum möglich ist.

Einzelnachweise

Die Informationen dieses Artikels entstammen zum größten Teil den unter Nachweise angegebenen Quellen, darüber hinaus werden folgende Quellen zitiert:

  1. Carus et al. 2008
  2. Frank Waskow, Katalyse-Institut für Angewandte Umweltforschung (Hrsg.): Hanf & Co.: die Renaissance der heimischen Faserpflanzen. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 1995, ISBN 3-89533-138-4, S. 45 (Stand: 2008-04-29).
  3. Baustoff Hanf als (nachwachsender) Rohstoff in einer regionalen Kreislaufwirtschaft
  4. Ralf Buck: Kochen und Backen mit Hanf, Göttingen, 1999, ISBN 3895332720
  5. King Hemp; Slavery in the Hemp Industry

Literatur

  • Michael Carus et al.: Studie zur Markt- und Konkurrenzsituation bei Naturfasern und Naturfaser-Werkstoffen (Deutschland und EU). Gülzower Fachgespräche Band 26, Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. 2008
  • nova-Institut (Hrsg.): Das kleine Hanf-Lexikon. Verlag Die Werkstatt, Göttingen, 2. Auflage, 2003; Seiten 63-64. ISBN 3-89533-271-2
  • nova-institut (Hrsg.): Hanfsamen und Hanföl als Lebens- und Heilmittel, Göttingen, 1998, ISBN 3-89533-242-9

Weblinks

Commons Commons: Hanf – Bilder, Videos und Audiodateien

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